• Zur Geschichte

    Hendrik ist 29, sportverrückt und liebt Spaghetti Carbonara. Er wohnt in Frankfurt und arbeitet in der Versicherungsbranche. Auch wenn ihn sein Job manchmal an den Rand des Wahnsinns bringt – vor allem, da er jetzt auch noch die Leitung eines wichtigen Projekts übernommen hat – macht er ihn sehr gern. Um in stressigen Zeiten sein Leben nicht aus den Augen zu verlieren und seine Gesundheit im Blick zu behalten, nutzt er die Self-Tracking-Apps Runtastic, YAZIO und Headspace. Doch die machen sein Leben nicht unbedingt einfacher. Manchmal fühlt er sich in seiner Rolle als präventives, unternehmerisches oder vermessenes Selbst ganz schön überfordert. Die folgende Geschichte lässt uns an Hendriks Alltagsleben und…

  • #1 Hendrik als präventives Selbst

    Montag. 7 Uhr. Hendrik dreht bereits die sechste Runde um den großen See im Frankfurter Ostpark. Doch er hat keine Augen für die blühenden Seerosen und schnatternden Enten auf dem Riedgraben. Vielmehr ist er damit beschäftigt, sich den Schweiß von der Stirn zu wischen und seine müden Muskeln zu noch mehr Kilometern zu drängen. Die Frauenstimme in seinem Ohr hat ihm gerade per Kopfhörer durchgesagt, dass er erst seit 42 Minuten joggt – da fehlen noch acht Minuten, bevor er die letzten zehn Minuten nach Hause antreten kann, um seine Stunde voll zu kriegen. Ein Blick auf seine Smartphone-App verrät ihm, dass sein Brustgurt 65 Prozent seiner maximalen Herzfrequenz misst…

  • #2 Hendrik als unternehmerisches Selbst

    17:30 Uhr. Hendrik sitzt bereits in dem Eckcafé, das ihn immer an einen Co-Working-Space erinnert: hypermoderne Hängeleuchten, Steckdosen an jedem Sitzplatz und bodentiefe Fensterfronten. Sonja hängt noch im Büro fest – irgendetwas lief wohl bei dem Versicherungswechsel eines Kunden schief und sie darf den Fehler nun wieder glatt bügeln.  Hendrik fischt sein Smartphone aus der Aktentasche. Gerade fiel ihm wieder ein, dass er Sonjas Läufe genauer unter die Lupe nehmen wollte. Die Runtastic-App ist spendabel: Sie zeigt Hendrik genau an, wann, wo, wie lange und mit welcher Geschwindigkeit Sonja ihre letzten Runden gedreht hat. Als sein Blick auf ihre Pace fällt, drohen ihm beide Augen rauszufallen: 04:10 Minuten pro Kilometer!…

  • #3 Hendrik als vermessenes Selbst

    Hendrik kommt zu Hause an und öffnet die Fenster – die Abendluft ist noch mild. Er legt sich aufs Bett und scrollt wie fast jeden Abend durch Instagram und Facebook: Anika schnorchelt gerade auf den Malediven. Benny schreibt noch immer an seiner Masterarbeit. War klar. Und Adidas promotet seinen neuen Laufschuh.  Nachdem er alle News durchgescrollt hat, wandern seine Finger beinahe automatisch zur Runtastic-App. Tatsächlich – im Newsfeed wird ihm angezeigt, dass Sonja gerade noch laufen war. Sie macht es richtig, denkt Hendrik sich und rollt sich auf den Bauch. Zu dieser Uhrzeit hätte er auch viel mehr Lust, eine Runde zu drehen, als sich morgens direkt nach dem Aufstehen…

  • #4 Hendrik als …?

    Drei Wochen später. Es war nicht leicht. Die ganzen Apps aufzugeben.  Im Nachhinein kann Hendrik es nicht fassen, wie sehr diese kleinen, abgerundeten Kästchen auf dem Display seinen ganzen Tagesablauf bestimmt haben. Und damit sein gesamtes Leben. Jetzt ist er froh, eine Woche komplett auf all die Notifications, Erinnerungen und Pop-Up-Nachrichten verzichtet zu haben. Von den ganzen Zahlenwerten möchte er gar nicht erst sprechen. Im Endeffekt hat das ganze Messen, Eintragen und Vergleichen sein Leben nicht einfacher gemacht. Sondern komplizierter. Vielleicht hat er sich auch einfach zu sehr darauf fokussiert. Er hat die Apps noch immer. Zumindest Runtatstic und Headspace. YAZIO ist von seinem Handy geflogen – die App braucht er wirklich…